Hermann Gundert
Namensgeber unseres Hauses

 

 

Hermann Gundert (1814-1893) arbeitete 23 Jahre lang
als Sprachwissenschaftler und Missionar in Südindien.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland leitete er den
'Calwer Verlagsverein' in Calw.



Leben

Hermann Gundert wurde am 4. Februar 1814 in Stuttgart
geboren. Er erhielt seine Ausbildung an der Lateinschule
in Stuttgart und im Seminar Maulbronn. Anschließend
studierte er an der Universität Tübingen Philosophie
sowie evangelische Theologie und wurde zum Dr. phil.
promoviert.


1836 reiste er als Hauslehrer über England nach Südindien aus. Dort lernte Gundert bei Carl T. E. Rhenius (1790-1838) die südindischen Sprachen, deren sprachwissenschaftliche Bearbeitung sowie die Missions- und Schularbeit kennen. Nach seiner Heirat mit Julie Dubois aus der französischen Schweiz schloss sich Gundert 1838 der Basler Mission an und nahm die Arbeit an der Südwestküste Indiens auf. Während seines 23-jährigen Aufenthalts, den er vor allem in Kerala verbrachte, widmete er sich neben der Missionstätigkeit in erster Linie dem Studium und der Dokumentation der lokalen Sprache Malayalam sowie der Erforschung des Landes und der Kultur.

1857 wurde er von der britischen Kolonialverwaltung zum Schulinspektor von Kanara und Malabar berufen; damit war er für ein Gebiet verantwortlich, das den Westen von Karnataka und den Norden von Kerala umfasste. Aus gesundheitlichen Gründen kehrte Hermann Gundert 1859 nach Deutschland zurück. Ab 1860 war er Mitarbeiter des Calwer Verlagsvereins in Calw, den er ab 1862 bis zu seinem Tod am 25.4.1893 leitete. In Calw war er als Autor und Herausgeber indischer und deutscher Veröffentlichungen tätig. Auf seine Nachkommen übte er eine große Faszination aus, insbesondere auf seinen Enkel Hermann Hesse.


Werk

Hermann Gundert hinterließ ein umfangreiches Werk in den Sprachen Deutsch, Englisch, Malayalam und Tamil. Seine große Begabung zeigt sich in den unterschiedlichsten Bereichen. In Kerala ist er vor allem für seine sprachwissenschaftlichen Veröffentlichungen bekannt, die bis heute als Standardwerke gelten.

Auch sein Beitrag zur Erforschung der südindischen – insbesondere der keralesischen – Geschichte und des Brauchtums genießt hohe Anerkennung. Gundert wird vor allem wegen seiner systematischen wissenschaftlichen Arbeitsweise geschätzt. Darüber hinaus war er für die Veröffentlichung der ersten beiden Malayalam-Zeitschriften verantwortlich. Damit stieß er nicht nur das südindische Zeitungswesen an, sondern erwies sich auch als Wegbereiter der zeitgenössischen Malayalamliteratur.

Der theologische Nachlass Gunderts, seine Bibelübersetzung und Missionstraktate sowie seine Beiträge zur indischen Religions- und Missionsgeschichte sind heute nur noch wenigen bekannt, geben jedoch interessante Einblicke in die damalige Situation.




Hermann-Gundert-Schule | Calw
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